Motorola “Moto X” – Erfolg durch Marketing?

Derzeit sind die Newsseiten der Mobilfunk- und Technikportale gefüllt von News über das Motorola “Moto X” – das Smartphone mit dem schätzungsweise nicht ganz europakompatiblen Namen (ich rechne mit einer Umbenennung für den europäischen Markt) schlägt große Wellen. Warum? Nicht etwa wegen seines wegweisenden Designs als Konkurrent zum HTC One oder gar wegen seiner Highend-Hardware (vielleicht als Konkurrent zum Apple iPhone 5S oder Samsung Galaxy S4)… das Moto X ist eigentlich kein herausragendes Smartphone, was Optik und technische Daten vermuten lassen. Aber: Es hebt sich durch andere Features vom Rest der Smartphones ab.

 

Bisher hatten wir es ganz bewusst unterlassen, über das Smartphone zu berichten – für verpixelte, unscharfe Bilder, die ganz vielleicht das Smartphone zeigen, sind wir nicht zu haben beim bridgat Blog. Nun wird das Bild vom Moto X aber langsam klarer: Das Smartphone wurde nun gesichtet, es sind scharfe Fotos verfügbar (oben ist Google-CEO Eric Schmidt mit dem neuen Smartphone zu sehen) und auch schon einige Spezifikationen, sodass wir euch nun nicht nur mit Gerüchten langweilen, sondern handfeste Informationen liefern können. Das Moto X ist übrigens nicht nur ein Motorola Smartphone, sondern auch ein “Google Phone”. Google hat nämlich vor nicht allzu langer Zeit Motorola übernommen und nun satte 500 Millionen Dollar für das Marketing des Moto X bereitgestellt. Diese halbe Milliarde Dollar ist für ein Marketing-Budget unfassbar hoch für ein neues Smartphone, wenn man bedenkt, dass Apples Gesamtetat für das Marketing für alle Produkte in etwa bei einer Milliarde Dollar liegt. Ob aber ein Megamarketing und neue Bedienkonzepte wie eine Sprachsteuerung, die immer reagiert, als Verkaufsargument helfen in Zeiten von dauernder Überwachung und PRISM?

 

Materialauswahl und Design

Wie schon eingangs erwähnt soll sich das Motorola Moto X nicht durch seine Hardware abheben, sondern eher durch einige besondere Kniffe, die das Gerät so einzigartig machen. Dies fängt beim Design an: Das Smartphone soll besonders widerstandsfähig werden und die Rückseite soll frei wählbar sein. Auf ersten scharfen Bildern erkennt man deutlich die geriffelte Struktur auf der Rückseite des Smartphones. Ob mit der angepriesenen Widerstandsfähigkeit gemeint ist, dass es wasserfest und staubresistent ist, wie z.B. das Sony Xperia Z, ist nicht bekannt.

 

Designtechnisch scheint es auch nicht darauf angekommen zu sein, dass das Moto X ein besonders flaches Smartphone wird. In einem wohl aus Versehen geposteten Video des kanadischen Telekommunikationsunternehmens Rogers ist das Moto X zu sehen und es wirkt nicht herausragend flach. Wer es also besonders flach mag, sollte lieber zum Huawei Ascend P6 greifen, das mit 6,18mm fast rekordverdächtig dünn geraten ist. Auffällig beim Moto X ist optisch lediglich der besonders schmale Rahmen links und rechts vom Display.

Hardware und Ausstattung

Die Hardware des Motorola Moto X ist eigentlich so unspektakulär wie das Äußere: Auf einen Quad-Core wurde verzichtet, es ist nur ein Dual-Core verbaut mit einer Taktung von 1,8 Ghz pro Kern. Diese Dual-Core CPU wird von einer Adreno 320 Grafikeinheit unterstützt. Beim Chipsatz handelt es sich um den bereits bekannten MSM8960, der schon in anderen Smartphones und Tablets hohe Performance zeigt und das trotz nur zwei Kernen. Intern sind 16gb Speicher verbaut, von denen etwa 12gb zur freien Nutzung bereitstehen.

Beim Display scheint es auch deutlich ausgeglichener zuzugehen als bei der teuren Konkurrenz: Während das HTC One z.B. schon auf ein Full-HD Display setzt, soll beim Motoroa Moto X eine Auflösung von 1280×720 Pixeln ausreichen. Die Displaygröße ist noch nicht bekannt. Ich rechne aber damit, dass die “magische” Grenze von 300 DPI nicht oder wenn nicht deutlich unterschritten wird, maximal also 5″ (das wären dann 293 DPI). Da das Smartphone aber auf bisherigen Bildern kleiner wirkt, tippe ich auf 4,3″ bis 4,7″, was dann entsprechend auch die DPI-Pixeldichte noch deutlich in die Höhe schnellen ließe.

Was ist also das besondere am Motorola Moto X? Es scheint, als hätte man bei Hardware und Ausstattung ein bisschen auf die Bremse getreten, um den Preis niedrig zu halten und gleichzeitig nur technische Spezifikationen dort voranzutreiben, wo sie dem Nutzer auch wirklich einen Vorteil bringen. Motorola will beim Moto X die Akkulaufzeit deutlich verbessern, was anhand der genannten technischen Ausstattungsmerkmale durchaus klappen könnte. Den meisten Nutzern wird ein Quad-Core Prozessor wahrscheinlich gar nicht auffallen, solange man das Handy nicht nur zum Spielen der neuesten Action-3D-Kracher nutzt – vielmehr dürfte aber jedem auffallen, wenn der Akku nach 3 Tagen immer noch nicht schlapp macht. Dies wäre in Kombination mit einer guten Bedienbarkeit des Smartphones ein echter (fühlbarer) Fortschritt.

Daneben soll ein besonderer Fokus auf der Kamera liegen: Die 10,5 Megapixel Kamera soll sehr schnell sein im Vergleich zu aktuellen Smartphones und sehr gute Fotos liefern. Garantiert wird die Kamera des Moto X nicht mit dem Nokia 1020 konkurrieren können, aber wohl überdurchschnittliche Performance liefern, wenn man den bisherigen Informationen glaubt. Auffällig, aber bei Motorola Smartphone nicht ungewöhnlich, ist das Seitenverhältnis von 16:9.

Innovation anhand der Software

Die Hardware des Moto X wirkt grundsolide und gut abgestimmt, doch was den Unterschied macht, dürfte die Software beim Motorola Smartphone werden. Es ist eine “getunte” Version von Android 4.2.2. installiert, die wohl dank der Schirmherrschaft und besonderen Aufmerksamkeit von Google auch oft und lange Updates erhalten wird. Ganz ähnlich wie die Siri-Funktion beim Apple iPhone 5 ist das Motorola Moto X auch mit einer Sprachsteuerung ausgestattet, die ein besonderes Feature beinhaltet. Das Mikrofon scheint durchgehend eingeschaltet zu sein und auf Befehle zu warten. So kann man die Sprachsteuerung anscheinend mit einem einfachen “Moto Magic” aktiviert werden, wie das folgende Video zeigt.

 

Auch eine Benachrichtigungs-LED ist nicht vorhanden. Auch die soll über die Software und eben das Hauptdisplay gelöst werden. Man kann beim Motorola Moto einstellen, dass das Moto X in kurzen Abständen sanft das Display einschalten und über Benachrichtigungen informieren soll. Dies kann man deutlich im Werbespot von Rogers sehen. Auch bei der Kamera wird Neues geboten: Aktivieren kann man die Cam über ein zweimaliges Schütteln aus dem Handgelenk. Ein Button zum Fotografieren exisiert nicht, es wird alles über das Display geregelt. Hier bin ich skeptisch, ob das wirklich innovativ ist oder ein einfacher – mit einer Hand zu bedienender Auslöser – nicht praktischer gewesen wäre.

Fazit: Erfolg durch Marketing?

Für mich ist das Motorola Moto X im Moment nur eines: reichlich überbewertet. Das Smartphone ist technisch nicht besonders innovativ und auch die Software drängt einem schon fast die Innovation auf. Ich sehe mich immer noch nicht mit meinem Smartphone reden und irgendwie ist doch der Gedanke eines immer eingeschalteten Mikrofons hinsichtlich des Datenschutzes ein Graus. Dies gilt übrigens auch für die angeblichen Fähigkeiten des Moto X zu erkennen, wo es sich gerade befindet (Hosentasche, Auto, Schreibtisch)… . Braucht man so etwas? Ich weiß es nicht. Auf jeden Fall gefällt mir die grundsätzliche Hardware-Ausstattung gut, insbesondere wenn die Akkulaufzeit des Smartphones tatsächlich deutlich besser wird als bei der Konkurrez. Dies muss jedoch erst mal in Praxistests bewiesen werden.

Bisher scheint die Marketing-Strategie von Google und Motorola jedenfalls aufzugehen. Alle Technikseiten schreiben dauernd über das Smartphone, das eigentlich im Vergleich zur aktuellen Konkurrenz schon jetzt alt aussieht und technisch wenig zu bieten hat. Auch die “neue” Kamerabedienung direkt über das Display erscheint mir mehr als umständlich und nur mit zwei Händen ernsthaft zu machen. Ein einfacher Button wäre da doch etwas einfacher gewesen, der sich im Zweifel auch mit einer Hand bedienen lässt. Auch bei der Abschaffung einer Benachrichtigungs-LED bin ich skeptisch. Alles über das Display zu lösen ist zwar generell schön gedacht, aber ist nicht eine dauernd blinkende LED wesentlich besser als ein ab und zu mal aufflackerndes Display und verbraucht deutlich weniger Energie?

In meinen Augen bleibt eigentlich nur eine Lösung: Sollte die Grundidee aufgehen, ein sehr gutes Smartphone herzustellen mit herausragender Akkulaufzeit, das auch noch robust ist und zu einem günstigen Preis erhältlich ist, dann könnte das Motorola Moto X ein Erfolg werden. Anderenfalls sehe ich keinen Grund, das Moto X einem schöneren Huawei Ascend P6 oder einem schnelleren HTC One oder Samsung Galaxy S4 vorzuziehen.

Verfügbarkeit und Preis

Das Motorola Moto X ist ein durch und durch amerikanisches Smartphone. Hier wird auch damit geworben, dass das Smartphone in den USA entwickelt wurde und auch dort gebaut wurde. Logisch, dass es auch in den USA als erstes verfügbar sein soll. Der kanadische Mobilfunkanbieter Rogers spricht in seinem Werbespot sogar von einer Veröffentlichung im August 2013. Danach soll das Motorola Moto X in den Farben Schwarz und Weiß verfügbar sein – die individualisierbaren Rückseiten werden dabei nicht erwähnt. Wann das Motorola Moto X nach Deutschland kommt, ist bisher nicht bekannt. Ich rechne aber gegen September mit einem Start. Ansonsten wird die nächste Generation der Android Smartphones und das neue iPhone 5S dem Moto X bald zuvorkommen – dann sieht es wohl erst Recht alt aus gegen eine technische fortschrittliche Konkurrenz.

Wer interessiert ist, kann sich bei uns im bridgat Shop aber informieren lassen, sobald das Smartphone erhältlich ist. Klick dazu einfach auf die Motorola Moto X Produktseite und dort auf “Benachrichtigung sobald verfügbar”. Du erhälst dann von uns unverbindlich und kostenlos eine E-Mail, sobald das Smartphone im bridgat Shop verfügbar ist.